Eiskalte Leidenschaft: Paar zieht es bei Wind und Wetter einmal täglich in die Norddeicher Nordsee

Acht oder neun Grad? – Harald und Annemarie Marxmeier wollen es genauer wissen. Seit sechs Jahren wagen die beiden Wahl-Ostfriesen fast täglich den Sprung in die derzeit noch kühlen Fluten der Nordsee. Zur Freude ihrer Ärzte – und zur Verwunderung manch dick vermummter Urlaubsgäste, die dem rüstigen Paar und einer kleinen Gruppe Unerschrockener regelmäßig am Norddeicher Sandstrand begegnen. Eine Reportage vom Rand des Meeres, das sich See nennt.

„Ungläubige Blicke ernten wir natürlich oft – gerade im Winter. Wir versuchen dann immer, die Leute von der Heilkraft des Meeres zu überzeugen“, sagt Annemarie Marxmeier.

Norden-Norddeich. Uwe Burgmeier aus dem erweiterten Speckgürtel von Frankfurt am Main traut seinen Augen nicht: „Bei aller Liebe – da wird einem ja schon beim Zusehen kalt“, flüstert der staunende 47-Jährige, während er die Kapuze seines dunkelblauen Parkas noch ein bisschen enger zieht. Frischer Nordseewind weht aus Südwest, die See vor dem Nordseeheilbad Norden-Norddeich schunkelt sich mit ihren weißen Schaumkronen langsam aber sicher ein, als Harald Marxmeier ohne großes Zögern den ersten Fuß in die salzigen Fluten setzt. „Die Temperatur des Wassers ist es nicht, worauf wir besonders achtgeben müssen – vor allem sollte man sich vorher und hinterher gut vor dem kühlenden Wind schützen – der hat es nämlich in sich“, weiß der 84-Jährige.

Immer zur Hochwasserzeit sind sie da: er, das gebürtige Nordlicht aus Bremen, das viele Jahre weitab der See im fernen Wuppertal verbracht hat, seine Frau Annemarie, 77 Jahre jung – und eine Handvoll Norderinnen und Norder, die ihre bisweilen eiskalte Leidenschaft für die Nordsee teilen. Fast jeden Tag. „Und bei beinahe jedem Wetter“, sagt Harald Marxmeier lächelnd und kramt aus der Tasche seines Rucksacks am Sandstrand von Norden-Norddeich jenes Foto heraus, das ihn inmitten einer eisig-gezuckerten winterlichen Nordsee zeigt.

Gesundheit – einen Wellenschlag entfernt

Keine Angst vor Eis und Schnee: Auch bei frostigen drei Grad Wassertemperatur begegnet man Marxmeiers am Norddeicher Strand.

Angefangen hatte für ihn und seine Frau alles vor rund sechs Jahren, als sie nach einer komplizierten Operation aufs Fahrrad verzichten musste und auch die Wege zu Fuß immer beschwerlicher wurden. Durch den natürlich hohen Salzgehalt und die Auftriebskraft des Meerwassers war Schwimmen da eine willkommene und schonende Alternative für die agile Rentnerin. Und wie gewöhnt man sich nun am besten an die zugegeben gerade in der dunklen Jahreshälfte nicht immer einladenden Wassertemperaturen? „Ganz einfach: Sie fangen im Sommer an, wenn die Nordsee noch schön warm ist – dann tasten Sie sich ganz natürlich immer weiter vor, wenn es Herbst wird“, erklärt Annemarie Marxmeier, während sie beim Abstieg über die Badetreppe behutsam ihren dunkelgrauen Gehstock zur Seite legt.

Seit sie ihrem vom Ufer oftmals ungläubig beobachteten Treiben nachgehen, hat sich nicht nur für die Marxmeiers gesundheitlich Manches verändert. Brigitte Niebel, 74 und ebenfalls eine der Norddeicher „Dauerschwimmer“, schwört bereits seit dreißig Jahren auf das tägliche Bad in der Nordsee. „Das beschäftigt meinen Körper – Grippe, Neurodermitis oder die heute so allgegenwärtigen Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind für mich kein Thema mehr“, ist die gebürtige Norderin überzeugt.

 Unterwegs mit dem „Messdiener“

Nach ein paar Metern erleichtert die Auftriebskraft des Meeres die Fortbewegung – und schont die Gelenke.

Inzwischen ist Harald Marxmeier schon einige Minuten im Wasser – und zückt ganz plötzlich seinen treuen Begleiter – ein kleines schwarzes Thermometer. „Die anderen nennen mich deshalb gerne ihren Messdiener, aber auf meine exakten Temperaturhinweise wollen sie dann doch nicht verzichten“, schallt es über die gekräuselten Wellen der Nordsee zum Ufer herüber. Genauso wenig wie die Retter der Norddeicher DLRG-Station, welche die Marxmeiers längst persönlich kennen – und beim Ausstieg aus den Fluten schon mal nach den aktuellen Werten fragen. „Die dichten für die Aushänge dann gerne mal ein bis zwei Grad hinzu – dann ist die Überwindung nicht so groß“, grinst der heimliche Norddeicher „Thalasso-Experte“, als er nach einer gefühlten Ewigkeit zielsicher auf das Ufer zusteuert.

Acht oder neun Grad  – die Frage spielt nicht nur an diesem durchwachsenen Apriltag aber dann doch noch aus anderer, ganz praktischer Sicht eine wichtige Rolle. Schließlich gibt die Temperatur des Wassers vor, wie lange sich die bis zu sechs unerschrockenen Schwimmer der Norddeicher Gruppe in den Schoß der Nordsee begeben. „Neun Grad – das bedeutet für uns: etwa neun Minuten Schwimmen“, erklärt Annemarie Marxmeier. Inzwischen hat die 77-Jährige längst wieder ihre hellrote Badekappe ab- und die winddichte blaue Übergangsjacke angelegt. Diese schaut ganz ähnlich aus wie der Parka von Uwe Burgmeier, der vor lauter Begeisterung ins Grübeln kommt. Warum? Ja, warum eigentlich nicht?!

Wenn der „Blanke Hans“ zur Wartung muss

Gegenwind: Ostfrieslands berühmt-berüchtigte Touristenattraktion kommt auf den Prüfstand

Geliebt, genutzt, gefürchtet: kaum ein Phänomen sorgt unter Radfahrern, Surfern und Skatern für so viel Gesprächsstoff, wie der betont wankelmütige ostfriesische Gegenwind. Ab Anfang April kommt die berühmt-berüchtigte Touristenattraktion im Nordseeheilbad Norden-Norddeich auf den Prüfstand.

Egal ob Nord, Süd, West oder Ost – irgendwann spürt ihn hier jeder im Gesicht: den manchmal milden, vor allem aber scheinbar allgegenwärtigen „Hauch“ des ostfriesischen Gegenwinds. Nicht nur für Radler eine echte Herausforderung, ist er für die große Mehrheit der Ostfriesland-Urlauber längst zu einem wichtigen Teil des Erlebnisses Nordsee geworden. Und auf diesen mag man nur ungern verzichten: Wenn die Natur eine Pause einlegt, sorgen in Norden-Norddeich deshalb regelmäßig Turbinenanlagen für den richtigen Dreh zwischen Deich und Wattenmeer.

„Während die ganze Küste von den Plänen für unsere neue Wasserkante spricht, tut unsere Gegenwind-Anlage bereits seit Jahren heimlich, effizient und leise ihren Dienst“, verrät Kurdirektor Armin Korok. Zehn sogenannte Kurbelwellen-Langstreckenturbinen stehen dazu jederzeit in Norddeich bereit, um an lauen Tagen für eine belebend frische Brise zu sorgen. „Das Verfahren ist technisch hochkomplex, fußt aber auf dem inzwischen gut erforschten Prinzip eines Strömungskanals“, erklärt Helmut Cramer, Leiter Asset Management bei den Norder Stadtwerken.

Ostfrieslands „Blanker Hans“ also nur ein fauler Zauber? Armin Korok widerspricht: „Unsere in den kommenden Wochen zu Wartungszwecken abzuschaltenden Anlagen greifen nur dann ein, wenn die Kraft der Natur für die sturmerprobten Norddeicher Feriengäste nicht stark genug ist.“ Bis voraussichtlich Mitte Mai müssen diese nun auf „Wind nach Gusto“ in Ostfrieslands nordwestlichster Gemeinde verzichten: im Rahmen der umfassenden Revision wird die gesamte Anlage in dieser Zeit einer eingehenden routinemäßigen Überprüfung unterzogen.

Christian Stoll, Veranstalter Gegen den Wind

Von „Da fliegt man ja an der wunderschönen ostfriesischen Landschaft viel zu schnell vorbei!“ über „Endlich eine Gelegenheit, die hohen Gänge zu entrosten“ bis zu „Schade – jetzt muss ich wohl doch mal zum Friseur“ reichten entsprechend die teils enttäuschten ersten Kommentare der windverwöhnten Norddeicher. Pünktlich zum neuen Radsportevent „Gegen den Wind“ (www.gegen-den-wind.net) am letzten Maiwochenende, bei dem Radprofis und Freizeitradler gleichermaßen ihr Können auf einer rund 20 Kilometer langen Strecke zwischen Greetsiel und Norddeich beweisen können, sollen die aufwändigen Maschinen im Untergeschoss des Norddeicher Ocean Waves wieder anlaufen, verspricht Armin Korok.

Traditionelles Osterfeuer in Norddeich

Am Samstag (26. März) ist es wieder soweit: mit Beginn der Dämmerung wird gegen 19:00 Uhr am Norddeicher Sandstrand das traditionelle Osterfeuer angezündet und der Winter vertrieben. Der alte Brauch der Osterfeuer erfreut sich in Ostfriesland schon seit Jahrhunderten großer Beliebtheit. Mit den lodernden Flammen wird im Frühjahr die Sonne begrüßt und damit der Winter sowie böse Geister verabschiedet.

Heiße und kalte Getränke sowie Bratwürste vom Grill vertreiben dabei ab 16:00 Uhr die Zeit bis zum Anzünden des Osterfeuers. Gegen 19:00 Uhr wird dann bei musikalischer Untermalung das zusammengetragene Osterfeuer angezündet und feierlich abgebrannt. Um ein möglichst groß aufgestapeltes Feuer möglich zu machen, kann am Ostersamstag von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr Strauchschnitt angeliefert werden.

Um die Sicherheit am offenen Feuer auf der großen Strandfläche weiter zu verbessern, haben sich die Veranstalter in Absprache mit der Kurverwaltung Norddeich und der Polizei dazu entschlossen, dass kein Alkohol auf die Veranstaltungsfläche mitgebracht werden darf.

„Das Osterfeuer lockt am Ostersamstag jährlich tausende Zuschauer aus nah und fern an den Norddeicher Sandstrand, um dem alten Brauch des Osterfeuers beizuwohnen“, so der Norddeicher Kurdirektor Armin Korok.

Die Veranstalter Karin und Peter Schliffke, vom Zeltbetrieb in Hage, werden dabei gemeinsam mit Kurverwaltung und Polizei bei Einheimischen und Gästen um Verständnis für diese Sicherheitsmaßnahmen, die vor allem auch die zukünftige Durchführbarkeit des Osterfeuers am Norddeicher Sandstrand sicherstellen soll.

Das Norddeicher Osterfeuer im Überblick (26. März):

  • 08:00 – 16:00 Uhr
    Anlieferung des Strauchschnitts über die Zufahrt vom Norddeicher Westhafen
  • Ab 16:00 Uhr – 18:00 Uhr
    Fackelverkauf auf dem Norddeicher Ostermarkt
  • 18:30 – 19:00 Uhr
    Auftritt des Norddeicher Shanty-Chor
  • Ca. 19:00 Uhr
    Feierliches Anzünden des Osterfeuers, mit musikalischer Untermalung

Premiere: Wanderkino gastiert am 23. & 24. August in Norden und Norddeich


Aus der digitalen und vernetzten Welt von facebook und YouTube sind bewegte Bilder nicht mehr wegzudenken. Wie vor etwa 100 Jahren der Siegeszug begann und die ersten „Bilder laufen lernten“, das zeigt die Premiere des Wanderkinos am Sonntagabend in Norden (23.08.2015) und Montagabend in Norddeich (24.08.2015).

Das Wanderkino ist seit 16 Jahren in den Sommermonaten in ganz Europa unterwegs und präsentiert Stummfilme unterschiedlicher Genres von Slapstick-Komödien bis Monumentalfilmen. Das ideale Reisemobil und eine wunderbare Veranstaltungskulisse ist ein Oldtimer-Feuerwehrauto der Marke Magirus Deutz, Baujahr 1969.

Alle Stummfilme werden bei den Vorführungen live von Gunthard Stephan an der Violine und Tobias Rank am Piano begleitet. Den beiden studierten Musikern aus Leipzig gelingt es in besonderer Weise, eine Einheit aus Film und Musik herzustellen, so dass jede Veranstaltung zu einem besonderen Seh- und Hörerlebnis wird. Die Aufführungen finden in einem nostalgisch inszenierten Rahmen statt. Es wird eine Atmosphäre geschaffen, die an die Pionierzeiten des Kinos erinnert.

Jeweils gegen etwa 21 Uhr beginnt die Veranstaltung am Sonntagabend (23.08.) auf dem Marktplatz Norden in der Nähe des Glockenturms der Ludgerikirche und am Montagabend (24.08.) im Wellenpark Norddeich hinter dem Erlebnisbad Ocean Wave.

Der Eintritt ist frei. Sitzgelegenheiten werden begrenzt zur Verfügung gestellt. Besucher sind eingeladen, sich zu beiden Veranstaltungen gerne ein Picknick und Getränke mitzubringen.

Programm

Sonntag, 23. August ab etwa 21 Uhr auf dem Marktplatz Norden:

  • The Wacky World of Mack Sennett (1914)
  • Die Garage (1922) – Buster Keaton
  • Shoulder Arms (1918) – Charlie Chaplin

Montag, 24. August ab etwa 21 Uhr im Wellenpark Norddeich:

  • The House (1917) – Fatty Arbuckle
  • The Immortal Baby (1920) – Harry Langdorn
  • The Inventor (1913) – Mack Sennett
  • Der Hufschmied (1920) – Buster Keaton
  • Ein Hundeleben (1918) – Charlie Chaplin

Musikalische Begleitung:

  • Gunthard Stephan – Violine
  • Tobias Rank – Piano

Programmänderungen vorbehalten.

Gipfelsturm am Wellenrand – Die neue Kletterwand im Ocean Wave Norddeich ermöglicht Ausflüge in luftige Höhen

Gipfelsturm am Wellenrand: das Erlebnisbad Ocean Wave in Norden-Norddeich holt die Berge in den hohen Norden und startete kürzlich mit einer neuen sportlichen Herausforderung in die schönste Zeit des Jahres. Pünktlich seit dem Beginn der Sommerferien in Niedersachsen ermöglicht eine sogenannte Boulderwand am Kopfende des großen Wellenbeckens freies Klettern in luftiger Höhe – und falls nötig einen sorgenlosen Fall in original Nordseewasser.

Atemberaubender Aufstieg, kühle Erfrischung: die Ocean Wave-Auszubildende Kerstin de Buhr probt den Ausflug in für Ostfriesland nicht alltägliche Höhen.

Mehrere Meter hoch und zwei Meter breit ist die „Aqua Climb“ genannte Konstruktion, die seit gut drei Wochen am Ende des großen Wellenbeckens auf mutige Schwimmer und ungewöhnlich bekleidete Bergsteiger wartet. 15 blaue und acht grüne Haltepunkte weisen dabei den Weg entlang einer herausfordernd gestalteten, aber mit etwas Übung dennoch bezwingbaren Kletterroute.

Die neue, vom TÜV-Süd in Einzelabnahme überprüfte Kletterwand ist zwar kein berüchtigter Viertausender, aber wahrscheinlich die erste ihrer Art in einem ostfriesischen Schwimmbad.

Die neue Wand soll das Aktiv- und  Erlebnisangebot im Bad am Dörper Weg dauerhaft bereichern und zählt zu den vielen Angeboten, die Ocean Wave-Besucher ohne Aufpreis in Anspruch nehmen können.  Bis zu vier Meter Höhe trennen die Badegäste während ihres Ausflugs in luftige Gefilde von der Wasserlinie des Norddeicher Wellendecks. Im Falle des Falles sorgt das 30 Grad warme Nordseewasser an der tiefsten Stelle des Beckens für eine garantiert weiche Landung.

Ungestört Abtauchen und Aufblühen in der Vorsaison

Den Strand nur mit wenigen teilen – und bei langen Spaziergängen die wärmenden Sonnenstrahlen und die noch immer frische Nordseebrise ganz ohne Trubel genießen: die Zeit vor der großen Urlaubswelle hat im Nordseeheilbad Norden-Norddeich ihre ganz eigenen Reize und Gesetze. Während die Natur in Wallung gerät, kann man sie zum Beispiel bei einer Radtour mit Blick auf das Weltnaturerbe Wattenmeer nun völlig ungestört bestaunen – und danach bei einem Bummel durch Nordens malerische Altstadt ostfriesische Gemütlichkeit entdecken.

Dass hierbei keineswegs auf die vielen Annehmlichkeiten der Hauptsaison verzichtet werden muss, betont Jens Albowitz vom Tourismus Service Norddeich: „In den ruhigeren Monaten zwischen Ostern und dem oftmals bereits sehr warmen Juni sind bei uns bereits alle touristischen Einrichtungen in Betrieb, auch die aus der Hauptsaison bekannten Führungen und Touren werden angeboten – aber überall geht es jetzt noch deutlich ruhiger zu“, erklärt der Reiseexperte. Attraktiv sind diese Wochen nicht zuletzt für Eltern mit kleinen Kindern, die noch nicht an Ferienzeiten in der Schule gebunden sind – oder für den entspannten Urlaub zu Zweit abseits der oftmals trubeligen Ferienwochen.

Den Schlosspark Lütetsburg in der Blütezeit genießen

Romantische Stimmung im Schlosspark Lütetsburg. Bild: Gräflich zu Inn- und Knyphausen’sches Rentamt

Dass sich gerade jetzt die Natur von ihrer besten Seite zeigt, beweist etwa der unweit von Norddeich gelegene Schlosspark Lütetsburg: Die Ende April beginnende Rhododendron- und Azaleenblüte zählt hier zu den Höhepunkten einer an Ereignissen reichen Gartensaison. Der Park, entstanden vor über 200 Jahren im frühromantischen Stil, gehört zu den wenigen erhaltenen Beispielen dieses Typs auf dem europäischen Kontinent. Nur acht Kilometer südlich der Wattenmeerküste gelegen, dürfte er mit seiner Fläche von etwa 30 Hektar der größte Englische Landschaftsgarten Norddeutschlands sein. Nicht nur Naturliebhabern eröffnet der Schlosspark dabei zauberhafte An- und Einsichten: Historische Bauwerke, Staffagen und mit Inschriften verzierte Parkbänke gewähren authentische Einblicke in die Familiengeschichte der stolzen Schlossbesitzer.

Buntes Treiben auf dem Norder Wochenmarkt.

Im Schlossparkcafé lässt es sich auf der großen Sonnenterrasse oder im alten Gewächshaus hierbei auch im Mai und Juni bereits bestens entspannen. Wer danach lieber in ganz eigenen Gartenträumen schwelgt, nutzt nach dem Besuch des Schlossparks auf dem historischen Norder Markt – dem größten baumbestandenen Marktplatz Norddeutschlands – gerne die Gelegenheit, sich mit Osterglocken und Scilla für daheim einzudecken.

365 Tage im Jahr Wellentauchen

Das Meer ist im Mai manchmal noch zu kalt zum Baden – dafür kann man im Erlebnisbad „Ocean Wave“ das ganze Jahr über in 30 Grad warmes Nordseewasser eintauchen. Entspannung und Regeneration bieten hier Aqua-Floating, Wassergymnastik und andere gesundheitsfördernde Anwendungen. Wohltuend warm wird es auf dem 750 Quadratmeter großen Saunadeck, das die maritime Atmosphäre eines Luxusliners verströmt.

Norden-Norddeich in den Jahreszeiten

Warum das Nordseeheilbad Norden-Norddeich das ganze Jahr über einen Besuch wert ist, verrät auf zwölf Seiten kompakt und anschaulich die Broschüre „Norden-Norddeich in den Jahreszeiten„. Gespickt mit saisonalen Geheimtipps ist das kostenlos erhältliche Informationsheft des Norddeicher Tourismus Service die ideale Inspiration für einen entspannten Aufenthalt zwischen Wellenrand und ostfriesischen Kultur- und Genusswelten. Weitere Informationen und eine Online-Version der informativen Broschüre gibt es unter www.norddeich.de/jahreszeiten/.

Über ein halbes Jahrhundert erholsame Tage in Norden-Norddeich


Molenstraße, Deichstraße, Muschelweg -er hat schon überall gewohnt: seit 1955 verbringt der Paderborner Anton Kloidt die schönste Zeit des Jahres im Nordseeheilbad Norden-Norddeich. Einmal im Jahr – nicht selten auch öfter – zieht es den inzwischen Achtzigjährigen an seine Lieblingsplätze zwischen blauen Nordseewellen und der grünen Weite Ostfrieslands. Ein Blick zurück mit einem überzeugten „Wiederholungstäter“.

Historische Kurkarte aus dem Jahr 1955

Anton Kloidt ist sich sicher: „Das Gebäude da vorne – das sah schon 1955 fast genauso aus!“ Er muss es wissen. Schließlich schlendert Kloidt an diesem sonnigen Frühlingstag nicht zum ersten Mal die Norddeicher Kurpromenade entlang. Seit 60 Jahren bereist der gebürtige Paderborner gemeinsam mit Ehefrau Katharina Jahr für Jahr die nordwestlichste Stadt Deutschlands – die erste Zeit vor allem mit einem einfachen Zelt: „Anfangs noch etwas wild auf Wiesen und Privatgrundstücken – später auf dem großen Zeltplatz im Herzen Norddeichs, von dem man direkt über den Deich ins Meer gelangen konnte“, erzählt der heute Achtzigjährige mit glänzenden Augen, während er behutsam etwas Sahne in eine Tasse Ostfriesentee gießt.

Dort, wo Kloidt in den 50er und 60er Jahren mit Hering und Leine seine Zelte aufschlug, laden heute die Grünflächen des Norddeicher Kurparks zum Flanieren und Verweilen ein. „Auch eine schöne Sache – und einen guten Campingplatz gibt es ja nach wie vor in Norddeich“, findet der aktive Rentner aus dem südlichen Ostwestfalen. Überhaupt habe sich der Küstenort ganz prächtig entwickelt. „Ich kenne Norddeich ja noch als verschlafenes Fischerdorf. Für die Gäste wurde hier über die Jahrzehnte viel geschaffen“, meint Kloidt.

Zum Beispiel das Erlebnisbad Ocean Wave am Dörper Weg. „Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch des Vorgängerbaus – das Meerwasserwellenbad mit seinen bunten Mosaiken von 1978“, so der Paderborner. Dass der pensionierte Tischler trotz einer nie erloschenen Vorliebe für Frühjahr und Herbst dabei durchaus auch den Sprung in die Fluten der Nordsee wagte, verrät seine Tochter Gabriele. „Einen Orden fürs erfolgreiche Wettschwimmen im offenen Meer habe ich auch noch irgendwo“, ergänzt Kloidt, während er gemeinsam mit unserem Kurdirektor Armin Korok durch ein großes Fotoalbum voller mal mehr, mal weniger farbiger Erinnerungen blättert. Lebendig hält er sie alle.

Neben historischen Ansichten vom belebten Fährhafen, der malerischen Norder Altstadt oder den berühmten „Schwalbennestern“ zum Schutz vor Wind und Wetter gehören auch immer wieder solche Aufnahmen dazu, die den Norddeicher Dauergast in vertrauter Pose mit wettergegerbten Wattführern, Ortsvorstehern und anderen Einheimischen zeigen. „Der nahe Kontakt mit den oftmals so herzlichen und wenn nötig auch einmal hilfsbereiten Norderinnen und Nordern ist neben dem gesunden Klima und der einmaligen Landschaft der dritte wichtige Grund, warum wir auch heute noch immer wieder gerne nach Norddeich kommen“, erzählt Katharina Kloidt.

Und das durchaus auch mal für nur einen Tag. „Heute bevorzugen wir dazu allerdings die bequeme Anreise mit dem Zug direkt bis an die Mole – von Paderborn aus über Münster oder Hannover eine runde Sache“, schwärmt die Ostwestfälin und nippt an ihrer original Norder Teemischung. Mit ihrer ewig jungen Leidenschaft für Ostfrieslands jüngstes Nordseeheilbad haben Anton und Katharina Kloidt dabei längst Kinder und Verwandte infiziert. „Zum Jubiläum in diesem Jahr bin ich vor ein paar Tagen hier in Norddeich von meinen Töchtern, dem Schwiegersohn, Enkeln und Urenkeln überrascht worden. Die kommen inzwischen mindestens genauso gerne“, verrät Kloidt nicht ohne Stolz.

Die außergewöhnliche Treue des landauf landab längst persönlich bekannten Feriengastes zu „seinem“ Urlaubsort freut auch uns: „Derart leidenschaftliche Nordsee-Urlauber mit Herz und Seele wie Anton Kloidt sind schließlich die wichtigsten Botschafter für unseren schönen Küstenort und durch keine Werbekampagne ersetzbar“, ist sich unser Kurdirektor Armin Korok sicher.

„Die Letzte macht das Licht an“ – Deutschlands jüngste Leuchtturmwärterin zieht es nach Norden-Norddeich

Turm des Erlebnisbades Ocean Wave ab heute als Leuchtfeuer in Betrieb

In ihrem Beruf liegen Licht und Schatten naturgemäß dicht beieinander: als Deutschlands jüngste Leuchtturmwärterin (eigentlich Leuchtfeuerwärterin) zeigt die gebürtige Ostfriesin Sarah-Ann regelmäßig großen Pötten und kleinen Kähnen, wo es lang geht. Seit heute ist der feuerrote Leuchtturm des Erlebnisbades Ocean Wave im Nordseeheilbad Norden-Norddeich ihre neue Wirkungsstätte.

Besetzt ab heute den Leuchtturm am Norddeicher Erlebnisbad Ocean Wave: Leuchtturmwärterin Sarah-Ann

Dass es sich dabei um einen echten Traumjob handelt, steht der Wahl-Norderin mit einem Abschluss in Nautik geradezu ins Gesicht geschrieben: „Auf der Arbeit alle Lampen an und nach Feierabend eine erfrischende Abkühlung in den Fluten des Ocean Wave – das habe ich mir schon als kleines Mädchen gewünscht!“, verrät die 23-Jährige, während sie verliebt zu ihrem neuen Arbeitsplatz hinüberschaut. Als Rutschenturm des Ocean Wave ist die 15 Meter hohe Landmarke seit über 10 Jahren weithin sichtbar – zum Leuchtfeuer wurde sie erst vor einigen Tagen aufgerüstet.

„Der benachbarte Norderneyer Leuchtturm verfügte nach jüngsten Erkenntnissen des Wasser- und Schifffahrtsamtes nicht über genügend Lux, um einen sicheren und risikofreien Schiffsverkehr in den hiesigen Gewässern gewährleisten zu können. Als gute Nachbarn helfen wir da natürlich gerne aus“, kommentiert Kurdirektor Armin Korok die ungewöhnliche Entscheidung für ein zweites Leuchtfeuer im Einzugsbereich des jungen Nordseeheilbads. „Die Kollegen der Stadtwerke Norden haben im Zuge der derzeit stattfindenden LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet bereits umfassende Erfahrungen sammeln können und konnten uns somit umgehend bei der notwendigen Ausrüstung mit einer rotierenden Leuchtturmlinse unterstützen“, ergänzt Vollmar Constapel vom Erlebnisbad Ocean Wave.

Dass man sich bei der ‚Bemannung‘ von Deutschlands jüngstem Leuchtturm gleich für Deutschlands jüngste Leuchtturmwärterin entschieden hat, lag in Norddeich auf der Hand. Sarah-Ann sieht sich ihrer Aufgabe dabei mehr als gewachsen: „Schon meine Mutter sagte mir immer, ich solle mein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Mit meiner Leidenschaft für technische Dinge und meinem Diplom in Nautik bekomme ich sicher auch den Norddeicher Leuchtturm schnell in den Griff“, so die charmante Ostfriesin.

Wattführer: 50 Jahre sicher durchs Wattenmeer

Wer ihn nicht kennt, hat was verpasst: seit gut 50 Jahren führt Norddeichs dienstältester Wattführer Heiko Campen Gäste und Einheimische sicher durch unseren schönsten, aber mitunter auch gefährlichsten Naturschatz: das Weltnaturerbe Niedersächsisches Wattenmeer. Zeit für einen Rückblick auf viele schöne und wenige brenzlige Momente!

Herr Campen, wie sind Sie denn zum Wattwandern gekommen?

Ich hielt mich schon früher immer viel am Strand und im Wasser auf. Bald darauf nahm ich den einen oder anderen Urlauber mit auf eine meiner Touren. Das sprach sich rum. 1964 wurde ich dann von Vertretern der Kurverwaltung gefragt, ob ich der erste offizielle Wattführer werden wolle.

Machen Sie das hauptberuflich? Und können Sie abschätzen, wie viele Wattwanderungen Sie nun schon angeführt haben in Ihren 50 Jahren Berufserfahrung?

Nein, Hauptberuflich war ich in Leer bei einer Teefirma angestellt, als „Teeologe“. Die Wattwanderungen habe ich nur nebenberuflich gemacht. Zu Anfang war es nur eine Wanderung pro Woche, aber mit der Zeit wurden es zwei, dann drei pro Woche. Nun würde ich schätzen, dass ich in den letzten 30 Jahren ca. 100 Wattwanderungen durchgeführt habe, sowohl privat als auch als Wattführer. Genau sagen kann ich das nicht, aber es sind sehr viele.

Kann denn jeder einfach so mit einer Gruppe loslaufen, der der Meinung ist, sich im Watt auszukennen?

Wenn man Wattwanderungen mitmacht, sollte dies immer zusammen mit einem ausgebildeten Wattführer geschehen. Ich selber bin staatlich geprüfter Wattführer mit Zertifikat als Nationalpark Wattführer. Mir liegen die Genehmigungen für alle hiesigen Inseln, bis auf Juist, Wangerooge und Borkum vor. Diese Inseln dürfen wegen ihrer Lage und mühsamen Erreichbarkeit nicht angesteuert werden.

Herr Campen, wenn man hört, wie viele Wanderungen Sie durch das Wattenmeer bereits gemacht haben, denkt man schnell, dass Sie sich ausschließlich im Watt aufhalten. Ist das denn so?

Nein, ganz so ist es nicht. In den 1950er Jahren habe ich mitgeholfen, in Norddeich die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aufzubauen. Ich war damals Rettungsschwimmer, Schwimmmeister, der erste Rettungstaucher in Ostfriesland und gehörte 53 Jahre dem Vorstand an.

Haben Sie ihr Leben also nur am und im Wasser verbracht?

Da ich generell ein sportbegeisterter Mensch bin, war ich neben Sportarten wie dem Schwimmen und Windsurfen auch der Leichtathletik und dem Fußball nachgegangen. Dieses Jahr habe ich beim OLB Citylauf in Norden mitgemacht und bin die 5 km gewalkt. Früher half ich zudem in der Realschule als Sportlehrer aus und war in verschiedenen Sportarten als Übungsleiter tätig.

Das klingt nach einem sehr sportintensiven Leben!

Ja, aber ich mache auch noch anderes. Seit über 30 Jahren halte ich regelmäßig Lichtbilder-Vorträge über das Wattenmeer, mit Deichbau usw. und über Sturmfluten. Zudem bin ich seit Jahrzehnten Mitglied der Niedersächsischen Bühne Norden und der traditionsreichen bäuerlichen Genossenschaft Theelacht.

Wie sieht eine Wattwanderung heute bei Ihnen aus? Laufen Sie einfach drauf los?

Nein, wenn die Leute bei mir eine Wattwanderung mitmachen, dann erkläre ich Ihnen zunächst die Gezeiten Ebbe und Flut bevor Wattwürmer, Muscheln, Schnecken und Krebse gezeigt werden. Danach erläutere ich etwas zu ihrem Lebensraum und dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Mein Ziel ist es dabei immer, die Menschen sachlich und themenbezogen zu informieren. Ich nehme meine Aufgabe sehr ernst!

Wo führen Sie ihre Wattwanderungen denn immer hin?

Meine Touren starte ich westlich des Yachthafens und laufe mit meiner jeweiligen Gruppe zur Itzendorfer Plate und erzähle ihnen dort etwas von der 1717 stattgefundenen Weihnachtsflut, bei der so viele Menschen gestorben sind als das Dorf unter den Fluten versank. Das stimmt die meisten immer sehr traurig, da sie nichts von dieser Tragödie wussten, die sich hier ereignet hat. Aber mit der richtigen Mischung aus Humor bringe ich ihnen dann auch die Heiterkeit in ihre Gesichter zurück und sie haben am Ende der anderthalbstündigen Tour ein Lächeln im Gesicht, wenn ich ihnen ihre Urkunde überreiche.

Ob Herr Campen wohl nur mit Gruppen durch das Wattenmeer läuft…?

Privat habe ich es geschafft, im Laufe der Jahre alle ostfriesischen Inseln zu Fuß zu besuchen. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich 15-mal zur Vogelinsel Memmert gelaufen bin. Eine Strecke sind 23 km. Um eine solche Tour zu schaffen, muss einfach alles stimmen! Aber denken Sie nun nicht, ich laufe nur an der niedersächsischen Küste entlang – ich bin auch zu den Inseln sowohl vor der niederländischen als auch vor der schleswig-holsteinischen Küste gelaufen. Man kann schon sagen, dass das gesamte Wattenmeer sehr interessant ist, aber durch die Größe und schöne Artenvielfalt finde ich es an unserer Nordseeküste dann doch am schönsten.

Man merkt, dass der Ostfriese, der am liebsten Platt spricht und Tee trinkt, mit seiner Heimat Norden treu verbunden ist. Noch heute vergeht kein Tag, an dem Heiko Campen nicht mindestens einmal am Tag  – meist mit dem Rad – nach Norddeich fährt, um eben einmal über den Deich zu schauen.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Wattführern in Norddeich erhalten Sie hier.