Dünen, Strand und Wellenspiel an der Nordsee in Norddeich
"Jetzt kommen die Kenner", meinen die Küstenostfriesen, denn die Zeit der Badehosen geht langsam vorbei. Das Nordseewasser ist noch ungewöhnlich warm - es hält die angenehmen Temperaturen wie in einer Wärmflasche.
Der Herbst beschert der ostfriesischen Küste häufig noch Sonne pur, aber ihre Strahlen sind längst nicht mehr so intensiv. Rauhe Winde kommen von der See, und wenn sich Turmwolken am Horizont aufbauschen, sind schon bald stürmische Zeiten angesagt. Ab Windstärke sechs zeigt die Nordsee ihre wahre Kraft, wenn die Brecher bei Flut an den Strand klatschen, so dass Salzwassernebel entstehen. Beste Zeit zum Wandern an Norddeichs Strand, am Brandungssaum immer nur der Deichlinie nach - nord- oder südwärts. Auch beim Deichwandern kann man das Nordseeklima mit allen Sinnen genießen. Man schmeckt die salzige, würzige, reine Luft und es riecht nach See, Tang und Watt.
Ein Phänomen erleben gestresste Binnenländer immer wieder, wenn sie an die Nordsee kommen: Vom ersten Augenblick an fühlen sie sich pudelwohl, alle Probleme sind wie weggepustet. Die Luft ist glasklar, jodhaltig und viel leichter als im Binnenland. Besonders wohltuend ist das Seeklima in der Brandungszone, wo sich die Wellen am Grünstrand brechen. Wenn sie auf den Brandungssaum treffen, bilden sich feinste jodhaltige Nebel, Aerosole genannt. Sie wirken wie ein natürlicher Inhalator, wenn sie in die Atemwege eindringen. Die größeren Aerosol-Tröpfchen schlagen sich in Nase, Rachen, Kehlkopf und in der Luftröhre nieder, die kleineren Tröpfchen dringen tief in die Atemwege ein. Die Aerosole treten nur bei Seewind auf, aber Seewind ist zu dieser Jahreszeit fast immer zu haben, und das rund um die Uhr. Die Intensität ist von den Windstärken abhängig, am höchsten also, wenn Sturm die Nordseeküste peitscht und um die Norddeich-Mole fegt.
Der Wind hat übrigens einen angenehmen Zusatzeffekt: Er massiert die Haut und sorgt für eine angenehme, prickelnde Durchblutung. Herbstzeit in Norddeich direkt an der Küste, wo die Nordsee beginnt und das sattgrüne Marschland endet. Das pulsierende Leben ist längst vorbei, Ruhe ist eingekehrt. Genau die richtige Zeit zum Auftanken für den langen Winter.









