Schönwetterwolken:

Schönwetterwolken: Himmelschaften im Norderland

Wolkenschieberwetter an der Nordsee. Erst blauer Himmel. Stahlblau bei glasklarer, seidiger Luft. Dann kommen erste Wolken auf. Wie schneeweiße Segel erscheinen sie am Horizont. Und nur wenige Minuten später ein ganz anderes Bild: Wolkentürme, als ob ein Vulkan Dampf in den Himmel geschleudert hätte.

 

Unzählige Wolkenbilder gestaltet heute der Wind auf der Himmels-Leinwand - von Minute zu Minute wechselnd: Haufenwölkchen, Wattebällchen, Wolkenmauern, Wolkenwogen, Wolkenwälle, Wolkenbänke ziehen von West nach Ost. Nun ballt sich alles über dem Vorland zusammen und versteckt die Sonne. Doch plötzlich bricht sie wieder durch und du blickst in den strahlend blauen Himmel.

 

Im Osten erkennst du die Flügel der Westgaster Mühle und den Turm vom Alten Rathaus von Norden noch im Sonnenlicht, aber schon fliegen neue Wolkenschatten darüber. Sie erfassen das Wiesenland, verdunkeln die Dächer von Norddeich, um dann auf Nimmerwiedersehen Richtung Osten zu segeln. Du winkst den weißen Wolken nach - "Wulkjen wenken", wie der Ostfriese das nennt.

 

"Himmelschaft" nannte Henri Nannen, einst Chefredakteur des STERN und Begründer der Kunsthalle Emden, seine Heimat. "Vier Fünftel ist Himmel und der Rest das ostfriesische Land". Was auf diesem "Rest" alles passiert: Du sitzt am Wiesenrand an einem der Tiefs oder Kolke in Norddeich. Hinten der Deich, davor ein stattlicher Gulfhof, umringt von windschiefen Eichen, und es herrscht eine himmlische Ruhe. Oder auf einer Bank am Seedeich. Vor dir das Vorland mit den Salzwiesen und den Buhnen zur Landgewinnung. Die Dünenlandschaft und der breite Strand.

 

Es ist Flut und Wellen klatschen an den Brandungssaum. Am Horizont erkennst du goldgelbe Dünen: Juist, die schönste Sandbank der Welt. Ein Stück weiter rechts liegt Norderney, die Königliche. Du siehst einen weißen Punkt - keine Wolke, sondern eine Fähre, die das Eiland mit dem Festland verbindet und schon bald Norddeich Mole erreichen wird. Und dort einen Krabbenkutter, der seine Netze ausgefahren hat. Auf den Salzwiesen zetern Möwen. Aufgeregt trippeln sie hin und her. Die eine kreischt in höchsten Tönen, andere stimmen ein. Und am lautesten keifen die Silbermöwen mit ihrem "kjau-kjau-kjakkjakjä". Gleich werden sie sich um die Beute streiten. Aber satt werden sie alle.

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