Nordendi: Wikinger an Norddeichs Deichen

Nordendi: Wikinger an Norddeichs Deichen

Nordendi - wo liegt das? An der ostfriesischen Nordseeküste der Nordsee im Umkreis von Norden. Es ist eines der sieben friesischen Seelande, die von Holland bis an die Weser reichten. Um 800 war hier die Küste nur dünn besiedelt. Man baute Behausungen und kleine Dörfer auf Warften, also Erdhügeln, um sie gegen die Sturmfluten zu schützen.

 

Eine Geißel waren zu dieser Zeit die Normannen, Wikinger oder Nörmän genannt. Sie kamen auf schnellen Schiffen mit Drachenköpfen als Bugschmuck aus Dänemark und galten als die Hunnen der Nordsee. Vierzig bis sechzig Mann Besatzung einschließlich der Ruderer hatte eine Schnigge, wie die normannischen Langschiffe auch hießen. Raubend, plündernd und brandschatzend überfielen sie England, Frankreich und auch Friesland. Sie machten überall Beute, Gefangene wurden einfach erschlagen oder als Sklaven mit nach Dänemark transportiert.

 

Grausig erschallte im Oktober des Jahres 884 ihr Schlachtruf an der Hilgenrieder Bucht vor Norden, und an die 10.000 Wikinger-Krieger sollen von ihren Booten an Land gestürmt sein. Eigentlich wollten sie nach Emden, um sich an den Schätzen des aufstrebenden Handelsplatzes gütlich zu tun. Aber das tapfere Völkchen der Küsten-Ostfriesen warf sich den Angreifern mutig entgegen. Ihnen zu Hilfe kam Erzbischof Rimbert von Bremen, der mit seinem Gefolge ins Kampfgetümmel eingriff. Schwert gegen Schwert, Kriegsbeil gegen Kriegsbeil, und am Ende waren die Wikinger vernichtend geschlagen - keiner soll entkommen sein. Und so hatte sich das Blatt gewendet: Schiffe und darauf bereits gelagerte reiche Beute gingen als Belohnung an die Ostfriesen.

 

"Wikinger in Anmarsk" heißt es nach 1121 Jahren wieder in Norddeich, wenn das Drachenschiff "Tyrkir" unter vollem Segel in den Hafen einfährt: Die "Wikinger" stürzen sich mit Gebrüll auf die "Warfenfriesen", genau wie damals - aber zum Schluss stehen alle wieder auf, Gott sei Dank! Wie die Wikinger damals lebten, erfährt man in einem riesigen Wikingerlager auf der Hafenmole. Handwerker zeigen Besuchern, wie Helme und Kettenhemden, Schwerter, Kriegsbeile und Schutzschilder hergestellt wurden. Handels- und Tauschwaren von damals werden vor den Augen der Besucher gefertigt und angeboten. Was die Wikinger Küche bietet, ist wohlschmeckend und einen Becher Met sollte man auch mal probiert haben. Wer will, kann sich im Axtwerfen und Bogenschießen üben oder mit der "Tyrkir" durch den Norder Hafen fahren. Vom 15. bis zum 17. Juli dauert das Ganze, und ab Sonnenuntergang gibt es Lagerfeuerromantik und Feuerspektakel, begleitet von mittelalterlichen Spielmusikanten.

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