Salzwassernebel von Norddeich: Hand in Hand am Strand
Längst sind die bunten Strandkörbe am Norddeicher Strand wieder auf ihre Stammplätze versetzt und warten auf Gäste. "My home is my castle" - mit einer Strandburg sind die 15 Quadratmeter Sand unser Königreich auf Zeit. Was für ein Tag.
Was ist das heute für ein verdammt guter Tag! Beine ausgestreckt, zurückgelehnt in den knarzenden Korbstuhl und dann der freie Blick über den Brandungssaum auf das Meer. Es ist noch still an Norddeichs Strand. Da drüben sitzen zwei ältere Damen zusammen, schwatzen und gackern wie junge Hühner und machen sich einen lauen Lenz.
Ein paar Strandkörbe weiter buddelt ein Opa für seine beiden Enkel einen Hafen in den Sand. Auf Grundwasser ist er noch nicht gestoßen. Nur auf dem Kletternetz am Haus des Gastes geht es reger zu. Hier hangeln sich kleine "Matrosen" in die höchsten Höhen der Wanten und spielen "Seefahrt tut not". Ich blicke hinaus auf die grün-blaue See, am Horizont bilden sich erste Haufenwolken, die wie prallgefüllte Segel Richtung Küste schweben. Mir kommt der Gedanke, dass jeder Mensch in seinem Inneren auf bestimmte Farben reagiert. Und er fühlt sich dort am wohlsten, wo die äußeren Farben mit den inneren übereinstimmen. Meine Farben sind grün und blau - vielleicht ist das der Grund, warum ich die See so liebe...
Am nächsten Tag ist das Wetter ganz anders: Überall weiße Wolkenballen, die von der Küste ins Binnenland ziehen. Die See wirkt rauh. Wellenkämme, die immer näher kommen und auf den Strand klatschen. Wandern am Brandungssaum. Die Luft hier schmeckt besonders salzig. Feinste Salzwassernebel bilden sich dort, wo sich die Wellen brechen. Aerosole, die als kostenlose Inhalation tief in die Lungen dringen. Strandgutsammeln: Hier eine Muschelschale mit einem kreisrunden Loch. Das war die Nabelschnecke. Sie sondert nämlich aus einer Drüse Schwefelsäure ab, die den Kalk auflöst, "brennt" also mit deren Hilfe ein Loch in die Muschelschale.
Dann steckt sie ihren rüsselartigen Mund durch das Schalenloch und läßt sich das Muschelfleisch gut schmecken. Dort ein Stein mit einem kreisrunden Loch, in das ein Finger hineinpaßt. Wer diese Steine bearbeitet hat? Das sind die Bohrmuscheln mit ihren Schalen, die wie Engelsflügel aussehen und überall am Strand liegen. Mit ihrem feilenartig scharfen Rand bohren sie sich tiefe Wohnhöhlen in den Stein. Seesterne, Tang und kunterbunte Muschelhälften - die Sandklaffmuschel hat die größten und die Venusmuschel die kleinsten. Wandern am Strand...








