Wattenkunde, Kinderrunde: Von Muscheln, Krabben, flinken Krebsen
Wer am Wattenrand von Norddeich ein vielfarbig leuchtendes Etwas erkennt, das sich langsam kriechend Richtung See bewegt, hat es nicht etwa mit einer modisch gestylten Seeschlange zu tun, sondern mit dem Gänsemarsch der "Stranddetektive", einer Kindergruppe auf dem Weg zu einem Abenteuer-Watt-Ausflug im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Geführt wird die kunterbunte Truppe von Elke Albers vom Nationalparkzentrum Norddeich. Sie erzählt den Kindern alles über Möwen, wie die Ostfriesen früher an der Küste auf Warften wohnten, warum man Deiche baut und wie Ebbe und Flut entstehen.
Die Truppe marschiert vom Brandungssaum ins Watt, alle fühlen unter ihren Fußsohlen und Zehen den Mutt und Glibber, der schon bald in feinen Sand übergeht. Und dann geht’s auf Spurensuche: Die kleinen fünf Zentimeter hohen Sandkegel überall im Watt sind unübersehbar. Wer jetzt genau hinsieht, entdeckt neben jedem Kegel einen kleinen Trichter. "Das sind die Wattwürmer, die in einem U-förmigen Rohr im Wattboden leben", erklärt Elke Albers. Bis zu 30 Zentimeter tief graben sie ihre beiden Röhren, und im waagerechten Teil ihres Ganges leben sie. Was sie fressen? Sand. Durch ihre Kriechbewegungen strömt immer wieder frisches Wasser in den Sandboden und damit auch Sauerstoff. Ohne die Wattwürmer gäbe es kein Leben im Wattboden. Blitzschnelle Schatten flitzen in den Prielen und wecken die Aufmerksamkeit unserer Gruppe. "Das ist die Strandkrabbe - sie kann immerhin bis zu acht Zentimeter groß werden. Man erkennt sie an den kräftigen Scheren. Schwimmen kann sie übrigens nur schlecht, laufen dafür um so besser." Nächste Station der Wanderung ist eine Miesmuschelbank.
Hunderte von ihnen leben hier auf einem Quadratmeter. Jede kann in einer Stunde 4 Liter Seewasser filtern und das macht sie zur effektivsten Kläranlage des Meeres. Mit einer Forke gräbt Elke Albers einige Meter weiter die obere Schicht des Wattbodens ab. Ans Tageslicht kommen kleine Muscheln, Herzmuscheln, die etwa fünf Zentimeter unter der Wattoberfläche leben. Auch sie halten die Nordsee sauber. Zwei Hände voll von ihnen filtern täglich bis zu zweihundert Liter Wasser sauber, soviel wie das Wasser in zwei Badewannen, erzählt sie den erstaunten Kindern. Dass ein Krebs sechs Beine und zwei Scheren hat und dass Seesternchen zu den gefräßigsten Räubern im Watt gehören, erfahren die Stranddetektive, während sich langsam die Priele mit Wasser füllen. Die Flut kommt und es wird Zeit, wieder zum Strand zu wandern.









