Genuss und Tradition – die ostfriesische Teezeremonie

Tee genießt in Ostfriesland eine herausragende Stellung: Hier wird pro Kopf etwa zehnmal mehr Tee getrunken als im übrigen Deutschland. Die Ursprünge für diese Entwicklung liegen wahrscheinlich in der Verbindung Ostfrieslands mit den nahegelegenen Niederlanden, die als erste in Europa Tee aus Indien importierten.

 

Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich in Ostfriesland eine eigenständige Teekultur, die untrennbar mit dem ostfriesischen Charakter verbunden ist.

 

Im 18. Jahrhundert versuchte Friedrich II., den Teekonsum einzuschränken – vergeblich. Während der Kontinentalsperre im 19. Jahrhundert verlagerten sich etliche Ostfriesen auf den Schmuggel, um weiterhin Tee importieren zu können. Und selbst während der Mangelwirtschaft in den Weltkriegen musste den Ostfriesen mit einem eigenen „Teetrinkerbezirk“ und Extrarationen ein Sonderrecht eingeräumt werden, um die Bevölkerung nicht aufzubringen.

In Ostfriesland wird bis zu sechsmal am Tag Tee getrunken, und zwar jeweils drei Tassen - denn "drei sind Ostfriesenrecht". Diese Zahl steht dabei nicht zur Debatte - es wird lieber die Füllmenge der Tassen reduziert, als nur eine oder zwei zu trinken. Neben der speziellen Zubereitung des Ostfriesentees folgt auch sein Verzehr einem eigenen Ritual: Zuerst wird ein großes Stück Kandiszucker in die Tasse gegeben, darüber dann der Tee. Dabei lauscht man dem deutlich zu hörenden Knistern. Danach wird etwas Sahne in den Tee gegeben, die zuerst absinkt und dann in Wölkchen wieder an die Oberfläche steigt. Damit haben sich drei Schichten in der Tasse gebildet, die auch nicht umgerührt werden: Mit dem ersten Schluck schmeckt man die Milde der Sahne, mit dem nächsten den herben Tee selbst. Im letzten Schluck dominiert dann die Süße des Zuckers.

Ein Teelöffel gehört zwar auch in Ostfriesland zum Gedeck, dient aber nicht zum Umrühren: Man legt ihn in die Tasse, sobald man keinen weiteren Tee mehr wünscht.

Bereiten Sie doch einmal selbst Ostfriesentee zu!

Sie benötigen: Echten Ostfriesentee, Kluntjes (groben weißen Kandis), Sahne - und natürlich ein Teegeschirr, möglichst mit Tüllsieb.

  • Spülen Sie die Teekanne heiß aus und geben Sie pro Person einen Teelöffel an Tee hinein. Für die Kanne selbst noch einen zusätzlichen.
  • Gießen Sie die Blätter mit sprudelnd kochendem Wasser auf, bis sie gerade bedeckt sind, und lassen Sie den Tee etwa fünf Minuten ziehen.
  • Füllen Sie danach die Kanne je nach gewünschter Tassenzahl mit kochendem Wasser auf und stellen Sie sie auf ein Stövchen.
  • In die Tassen kommt nun ein Stück Kandis, darauf der Tee, dann etwas Sahne (siehe oben). Genießen Sie die Atmosphäre beim wohligen Knistern.
  • Ein Tüllsieb verhindert, dass Tee in die Tassen gespült wird. Auch wenn es dem Aroma etwas schadet: Es geht auch mit einem Teesieb.
  • Zu starker Tee kann in der Tasse oder in der Kanne mit heißem Wasser verdünnt werden.
  • Zum Tee wird gern Rosinenbrot oder Gebäck gereicht.
Tee in Norddeich

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