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Wer ihn nicht kennt, hat was verpasst: seit gut 50 Jahren führt Norddeichs dienstältester Wattführer Heiko Campen Gäste und Einheimische sicher durch unseren schönsten, aber mitunter auch gefährlichsten Naturschatz: das Weltnaturerbe Niedersächsisches Wattenmeer. Zeit für einen Rückblick auf viele schöne und wenige brenzlige Momente!

Herr Campen, wie sind Sie denn zum Wattwandern gekommen?

Ich hielt mich schon früher immer viel am Strand und im Wasser auf. Bald darauf nahm ich den einen oder anderen Urlauber mit auf eine meiner Touren. Das sprach sich rum. 1964 wurde ich dann von Vertretern der Kurverwaltung gefragt, ob ich der erste offizielle Wattführer werden wolle.

Machen Sie das hauptberuflich? Und können Sie abschätzen, wie viele Wattwanderungen Sie nun schon angeführt haben in Ihren 50 Jahren Berufserfahrung?

Nein, Hauptberuflich war ich in Leer bei einer Teefirma angestellt, als „Teeologe“. Die Wattwanderungen habe ich nur nebenberuflich gemacht. Zu Anfang war es nur eine Wanderung pro Woche, aber mit der Zeit wurden es zwei, dann drei pro Woche. Nun würde ich schätzen, dass ich in den letzten 30 Jahren ca. 100 Wattwanderungen durchgeführt habe, sowohl privat als auch als Wattführer. Genau sagen kann ich das nicht, aber es sind sehr viele.

Kann denn jeder einfach so mit einer Gruppe loslaufen, der der Meinung ist, sich im Watt auszukennen?

Wenn man Wattwanderungen mitmacht, sollte dies immer zusammen mit einem ausgebildeten Wattführer geschehen. Ich selber bin staatlich geprüfter Wattführer mit Zertifikat als Nationalpark Wattführer. Mir liegen die Genehmigungen für alle hiesigen Inseln, bis auf Juist, Wangerooge und Borkum vor. Diese Inseln dürfen wegen ihrer Lage und mühsamen Erreichbarkeit nicht angesteuert werden.

heikoHerr Campen, wenn man hört, wie viele Wanderungen Sie durch das Wattenmeer bereits gemacht haben, denkt man schnell, dass Sie sich ausschließlich im Watt aufhalten. Ist das denn so?

Nein, ganz so ist es nicht. In den 1950er Jahren habe ich mitgeholfen, in Norddeich die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aufzubauen. Ich war damals Rettungsschwimmer, Schwimmmeister, der erste Rettungstaucher in Ostfriesland und gehörte 53 Jahre dem Vorstand an.

Haben Sie ihr Leben also nur am und im Wasser verbracht?

Da ich generell ein sportbegeisterter Mensch bin, war ich neben Sportarten wie dem Schwimmen und Windsurfen auch der Leichtathletik und dem Fußball nachgegangen. Dieses Jahr habe ich beim OLB Citylauf in Norden mitgemacht und bin die 5 km gewalkt. Früher half ich zudem in der Realschule als Sportlehrer aus und war in verschiedenen Sportarten als Übungsleiter tätig.

Das klingt nach einem sehr sportintensiven Leben!

Ja, aber ich mache auch noch anderes. Seit über 30 Jahren halte ich regelmäßig Lichtbilder-Vorträge über das Wattenmeer, mit Deichbau usw. und über Sturmfluten. Zudem bin ich seit Jahrzehnten Mitglied der Niedersächsischen Bühne Norden und der traditionsreichen bäuerlichen Genossenschaft Theelacht.

Wie sieht eine Wattwanderung heute bei Ihnen aus? Laufen Sie einfach drauf los?

Nein, wenn die Leute bei mir eine Wattwanderung mitmachen, dann erkläre ich Ihnen zunächst die Gezeiten Ebbe und Flut bevor Wattwürmer, Muscheln, Schnecken und Krebse gezeigt werden. Danach erläutere ich etwas zu ihrem Lebensraum und dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Mein Ziel ist es dabei immer, die Menschen sachlich und themenbezogen zu informieren. Ich nehme meine Aufgabe sehr ernst!

Wo führen Sie ihre Wattwanderungen denn immer hin?

Meine Touren starte ich westlich des Yachthafens und laufe mit meiner jeweiligen Gruppe zur Itzendorfer Plate und erzähle ihnen dort etwas von der 1717 stattgefundenen Weihnachtsflut, bei der so viele Menschen gestorben sind als das Dorf unter den Fluten versank. Das stimmt die meisten immer sehr traurig, da sie nichts von dieser Tragödie wussten, die sich hier ereignet hat. Aber mit der richtigen Mischung aus Humor bringe ich ihnen dann auch die Heiterkeit in ihre Gesichter zurück und sie haben am Ende der anderthalbstündigen Tour ein Lächeln im Gesicht, wenn ich ihnen ihre Urkunde überreiche.

Ob Herr Campen wohl nur mit Gruppen durch das Wattenmeer läuft…?

Privat habe ich es geschafft, im Laufe der Jahre alle ostfriesischen Inseln zu Fuß zu besuchen. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich 15-mal zur Vogelinsel Memmert gelaufen bin. Eine Strecke sind 23 km. Um eine solche Tour zu schaffen, muss einfach alles stimmen! Aber denken Sie nun nicht, ich laufe nur an der niedersächsischen Küste entlang – ich bin auch zu den Inseln sowohl vor der niederländischen als auch vor der schleswig-holsteinischen Küste gelaufen. Man kann schon sagen, dass das gesamte Wattenmeer sehr interessant ist, aber durch die Größe und schöne Artenvielfalt finde ich es an unserer Nordseeküste dann doch am schönsten.

Man merkt, dass der Ostfriese, der am liebsten Platt spricht und Tee trinkt, mit seiner Heimat Norden treu verbunden ist. Noch heute vergeht kein Tag, an dem Heiko Campen nicht mindestens einmal am Tag  – meist mit dem Rad – nach Norddeich fährt, um eben einmal über den Deich zu schauen.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Wattführern in Norddeich erhalten Sie hier. 

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