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Wir setzen dem Tee ein Denkmal!

Blick aus meinem Büro am Markt

Als Neu-Norderin habe ich einen unglaublichen Arbeitsplatz. Wenn ich bei meiner Arbeit aus dem Fenster schaue, blicke ich auf das Ostfriesische Teemuseum auf der anderen Straßenseite, ein vom Baustil typisches rotes Klinkergebäude, ursprünglich das alte Rathaus der Stadt Norden. Ein schöner Blick und ein ausgesprochen sehenswertes Museum, das ich mit meinen Gästen nicht müde werde zu besuchen – natürlich verbunden mit einer Teezeremonie. Immer wieder ein Erlebnis. Im Teemuseum wird der ostfriesischen Teekultur ein liebevolles Denkmal gesetzt. Ich habe mal nachgefragt, wie alt dieses Gebäude ist und habe die erstaunliche Antwort bekommen, dass das Kellergewölbe aus dem frühen 14. Jahrhundert ist und das Gebäude selber zu weiten Teilen Mitte des 16. Jahrhunderts gebaut wurde. Ein schöner, idyllischer Ort, wo Teetradition bewahrt wird und in dem bei jedem Besuch Neues erlebt und wahrgenommen werden kann, so zur Teeherkunft, der Produktion und selbstverständlich auch zur ostfriesischen Teezeremonie. Öfter schon habe ich mich an diesem Ort mit einem Brückenschlag in viele ferne Länder dieser Welt entführen lassen, in denen Teekultur Teil des gesellschaftlichen Lebens ist. Immer wieder lassen mich die vielen Details der Sammlung staunen.

Während ich hier so schreibe, bleiben draußen wieder Passanten stehen, schauen fasziniert und versuchen offensichtlich die schönste Perspektive zu erhaschen. Sie halten ihre Fotoapparate auf das Teemuseum gerichtet. Doch ihr Interesse gilt viel eher einer Glasskulptur, die an diesem schönen Sonnentag besonders wirkt und vom satten Lila der üppig blühenden Katzenminze (Nepeta) umgeben ist. Denn wir haben dem Tee in Norden ein wunderschönes Denkmal gesetzt! Ich erinnere mich an den eiskalten Februartag in diesem Jahr, an dem ich konzentriert über verschiedenen Aufgaben in meinem Büro brütete.Wie war das noch gleich? … Ich gönnte mir eine Pause, in der ich meine Gedanken sammeln konnte, und schaute aus dem Fenster. Die Sonnenstrahlen blendeten mich und ich sah auf dem Verkehrskreisel auf der Straße vor dem Teemuseum reges Treiben. Wo im Sommer unterschiedlichste Staudenpflanzen wachsen und die kleine Verkehrsinsel begrünen, parkte nun ein Bulli. Zwei Personen, eine Frau und ein Mann, holten vorsichtig dünne Glaselemente heraus, die einzeln in eine Stahlfassung gesetzt wurden. Das Glasbild, angestrahlt von der Sonne, wuchs mit jedem Glaselement und gab den Blick auf Blätter frei. Teeblätter, wie sich herausstellen sollte, die im Licht herrlich funkeln. Ich beschloss die Mittagspause einzuläuten und ging neugierig zu der kleinen Gruppe.

Mit einem „Moin“ stellte ich mich dazu und lernte so das Künstlerpaar kennen: Vincent und Gemma van Leeuwen. Zwei sehr freundliche und offene Menschen aus den Niederlanden, die im Kunstzentrum Coldam bei Leer Wurzeln geschlagen haben. Sie haben diesen Ort mit viel Mühe, handwerklichem Geschick und Kreativität nach eigenen Vorstellungen aufgebaut. Er ist bekannt für seine Gastfreundschaft, die jährlichen Ausstellungen verschiedener Künstlerinnen und Künstler und die Kunstworkshops. Beide kennen über die hiesige Künstlerszene viele Norder Künstlerinnen und Künstler und somit schon lange die älteste Stadt Ostfrieslands, Norden.

© Vincent und Gemma van Leeuwen

Vincent und Gemma van Leeuwen haben Tausende von Ideen und Puzzleteile zum Thema Tee zusammen getragen. Schließlich sollte die Skulptur am Verkehrskreisel zum Teemuseum passen. Ihre Fragen haben letztlich zur Idee für diese Glasskulptur geführt. Sie besteht aus 350 einzelnen Scheiben, die 8 mm stark sind und als Relief geschnitten wurden mit 3-D-Effekt. Dies berichteten sie mir später in meinem Büro, als sie sich bei mir kurz aufwärmten. Das letzte Glaselement war inzwischen glücklich an seinem Platz installiert worden. Ein langer Tag, an dem das Kunstwerk seinen endgültigen Bestimmungsort gefunden hatte, ging zu Ende. Schon da blieben die ersten Menschen stehen, betrachteten offensichtlich begeistert von den verschiedenen Straßenseiten das neue Kunstwerk in der Stadt und zückten ihre Smartphones, um die so verschiedenen Ansichten und Lichteinfälle im Bild festzuhalten und nach Hause mitzunehmen. Vincent und Gemma van Leeuwen sind sich sicher, dass sich vier Monate Arbeit mit viel Kopfzerbrechen, Ideensuche, Umsetzung, außerplanmäßigen Brüchen von einzelnen Glaselementen und dem Aufbau bei eisiger Kälte gelohnt haben: Norden ist um eine „T.llusion“, so der Name des Kunstwerks, reicher geworden und dem ostfriesischen Tee wird ein würdiges Denkmal gesetzt.

Mein Tipp übrigens, falls Sie das Künstlerpaar einmal persönlich erleben möchten: fahren Sie unbedingt am 17. oder 18.06.2017 zum Kunstzentrum Coldam. Dort findet, wie jedes Jahr, eine ganz besondere Veranstaltung statt, die Kulturveranstaltung „Grenzenlos treffen“ / „Grenzeloos ontmoeten“, dieses Mal unter dem Titel „Brücken“. „Brückenbauen“ ist den beiden eine Herzensangelegenheit. Und so kann man dort Exponate von ganz verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern finden, erleben, was die beiden geschaffen haben und mit ihnen ins Gespräch kommen bei Kaffee und leckerem Kuchen. Ein echter Geheimtipp!

5 Kommentare

  • Ein schöner, lebhaft geschriebener Artikel, der Lust macht, sich sofort auf den Weg nach Norden zu machen, um dies alles mit eigenen Augen sehen zu können …
    Dankje wel – vielen Dank für diese Eindrücke!

  • Was ein Blick aus dem Fenster nicht alles offenbart. Dankeschön für den netten Artikel.

  • Moin, ich bin erstaunt! War dort nicht immer eine Ampelkreuzung?

    • Moin Heike,
      jo, da war bis vor einigen Jahren eine Ampelkreuzung. Du findest allerdings mittlerweile beim Teemuseum einen Kreisel und auch beim alten Zollhaus kreiselt es nun 🙂 vg sendet Lars

    • Moin, schon 2013 wurde der Kreisel vor dem Teemuseum gebaut, den nun die gläserne Skulptur ziert und zudem üppig bewachsen ist mit schönen Staudenpflanzen. Einfach unbedingt mal wieder in die schöne Stadt Norden kommen und sehen, was sich hier sonst noch alles verändert hat! Es lohnt sich! Herzliche Küstengrüße, Andrea

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